Toolbox – mobile Verwahrung bei Svensk Byggtjänst, dessen Büro zum „Hübschesten Büro des Jahres 2016″ nominiert ist

In bestimmten Bürotypen fühlen wir uns wohler – andere sollten überhaupt nicht genutzt werden. So lassen sich die Studien der einzigen auf Büros spezialisierten Forscherin von Schweden zusammenfassen.

– Einige sind aus gesundheitlicher Sicht ganz einfach schlechter und deshalb möglichst zu vermeiden, sagt Christina Bodin Danielsson.

 

Biaro

Svensk Byggtjänst hat ein neu gebautes flexibles Büro, das hoch geschätzt wird. Im Hintergrund von einem der Schreibtische sieht man die Toolbox – unsere mobile Verwahrung. Der Arbeitsplatz ist zum „Hübschesten Büro des Jahres 2016″ nominiert. Foto: Jessica Gow

 

Acht Stunden am Tag. Fünf Tage pro Woche verbringen zwischen 50 und 80 Prozent der Beschäftigten n der westlichen Welt ihren Alltag in einem Büro. Dennoch gibt es erstaunlich wenig Forschung darüber, wie unterschiedliche Typen von Innenraum-Umfeld auf uns wirken. In Schweden gibt es derzeit nur eine einzige Forscherin, der sich auf Büros spezialisiert hat.

– Meine Schlussfolgerung lautet, dass bestimmte Arten von Büro aus gesundheitlicher Sicht ganz einfach schlechter und deshalb möglichst zu vermeiden sind.

Dies sagt Christina Bodin Danielsson, die an der  Arkitekturhochschule KTH forscht und mit dem Stressforschungsinstitut der Stockholmer Universität verbunden ist. Sie arbeitet auch als praktizierende Architektin, die sich auf Büros spezialisiert hat.

Schon als Studentin begann sie, nach Analysen von gebauten Umfeldern zu suchen. Die eigentliche Hauptfrage – wie uns das physische Umfeld beeinflusst – wurde nie behandelt, fand sie. Weder während ihrer Ausbildung zur Architektin, noch, als das Projekt später umrissen wurde.

– Warum wird dieses Bürogebäude für diese Organisation gebaut, was will man mit diesem Haus? Was ist das Ziel, abgesehen davon, dass ein flächenmäßiger Bedarf bestand und man geografisch dort liegen wollte, wo das Haus gebaut wurde?

Also schritt sie selbst zur Tat. In ihrer Abhandlung „The Office: An Explorative Study” machte sie Interviews mit 491 Personen von 26 unterschiedlichen Unternehmen in verschiedenen Branchen. Sie sollten ihre selbstempfundene allgemeine Gesundheit, emotionale Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz beurteilen. In einer anderen Studie mit 1 852 Teilnehmern wurde der kurz- und langfristige Krankenstand untersucht.

Ergebnis: die Wahl des Bürotyps beeinflusst die Gesundheit des Menschen.

– Die höchste Gefahr von langer Abwesenheit wegen Krankheit bestand in allen herkömmlichen Bürolandschaften und war bei mittelgroßen Bürolandschaften am auffälligsten. Dort lag auch die selbstempfundene allgemeine Gesundheit an unterster Stelle.

 

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Eine andere Bezeichnung für flexibles Büro ist aktivitätsbasiertes Büro, eine heute immer üblichere Büroform. Foto: Jessica Gow

Das beste Ergebnis bekam das Zellenbüro, dicht gefolgt vom viel besprochenen flexiblen Büro, wo man keinen eigenen Arbeitsplatz hat. In den Studien wurden eine Reihe von Hintergrundfaktoren wie Alter, Geschlecht, Branchenzugehörigkeit und Position überprüft, um sicherzustellen, dass die unabhängige Variable tatsächlich die Büroform ist.

Schwedens gewöhnlichste Büroform, die mittelgroße Bürolandschaft, landet durchgehend an letzter Stelle. Bei ständigem Durcheinander und Lärm fühlen wir uns unwohl.

– Ja, es sind dieselben Bürotypen, die als gut oder schlecht auffallen, stellt Christina Bodin Danielsson fest und sagt weiter:

– Die Arbeitsumwelt ist sehr wichtig für die Gesundheit. Wenn es um Büroarbeit geht, ist vor allem die psychische Gesundheit von Bedeutung. Hier wirken sich nicht nur Faktoren wie das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten stark aus, sondern auch die Anforderungen und das Gefühl der Selbstbeherrschung. Ist man ständigem Stress ausgesetzt, kann der Stresspegel im Körper steigen, was aber nicht als physiologischer Ausschlag, sondern eher gefühlsmäßig erkennbar ist. So fühlt man sich z. B. oft mental erschöpft und unkonzentriert.

Derzeit forscht sie im Bereich Bürogestaltung der Zukunft, um herauszufinden, welche Faktoren Auswirkungen haben und wie unsere Arbeitsplätze aussehen werden. Außerdem untersucht sie, ob es Verbindungen zwischen sozialer Unterstützung und Büroumfeld gibt.

– Ein weitgehend unerforschtes Gebiet. Problematisch ist vor allem, dass verschiedene Disziplinen nicht zusammenkommen und gemeinsam unter einem Dach zusammenarbeiten.

Der heutige Trend geht dahin, eigene Büroräume und Bürolandschaften in flexible Büros umzubauen. Manche behaupten, dies bringe Menschen leichter zusammen und erhöhe gleichzeitig die Flexibilität. Andere meinen, es sei eine Methode, die mit weniger Schreibtischen auskomme. Diese Büroform wurde in Schweden zuerst in den 1990er Jahren bei Beraterfirmen eingeführt, wo die Mitarbeiter nur ein paar Tage pro Woche im Büro tätig sind. Danach hat sie sich auf nahezu alle Branchen verteilt.

Aber auch dieser Bürotyp hat sich im Zuge der digitalen Entwicklung verändert.

– Die Flexibilität, die man sich früher wünschte, hat zugenommen.

Arbeitgeber, die sich mit Umbaugedanken tragen, sollten dies gründlich überdenken, rät Christina Bodin Danielsson.

– Die „Quacksalber” mit schnellen Lösungen sind tunlichst zu vermeiden. Das Büro sollte als Werkzeug dienen, um unterstützende Arbeitsumfelder zu schaffen.

 

Fakten über die Bürolandschaft

  • Die mittelgroße Bürolandschaft ist der gewöhnlichste Bürotyp Schwedens. Als das schwedische Stressforschungsinstitut im Jahr 2012 die Ansicht der Nutzer dieser Büroform untersuchte, antworteten 21 Prozent der Befragten, dass sie diese „sehr schlecht“ 32 Prozent fanden sie „ziemlich schlecht”, 24 Prozent „weder schlecht noch gut”, 19 Prozent „gut” und 4 Prozent „sehr gut”.
  • In einem Punkt aber lag dieser Bürotyp an erster Stelle, nämlich bei der Frage, was die Mitarbeiter von ihrem Vorgesetzten hielten. Hier ist der Vorgesetzte am beliebtesten und wird als hellhörig und sichtbar wahrgenommen.

Quelle:Christina Bodin Danielsson, Stressforskningsinstitutet.

 

Folgendes ergibt die Forschung über die Bürotypen

  • Kleine Bürolandschaft:vier-neun Personen.
  • Mittelgroße Bürolandschaft:10-24 Personen pro Raum.
  • Große Bürolandschaft:mehr als 24 Personen.
  • Zellenbüro: eigene Räume.
  • Geteilter Raum:zwei-drei Personen.
  • Flexibles Büro:kein eigener Arbeitsplatz.
  • Kombi-Büro:mit persönlichem Arbeitsplatz in eigenem oder geteiltem Raum.

Quelle: Christina Bodin Danielsson, Stressforskningsinstitutet.

JÖRGEN LÖWENFELDT